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Matinee am 30. März 2003, 11 Uhr
Im Fürstensaal, Schloß Ingelfingen
In einer bunten Folge von Texten, Bildern und Liedern wurde an den Dichter Cäsar Flaischlen erinnert, der häufig in Ingelfingen zu Gast war und einige Zeit im Schloss lebte.
Es wirkten mit:
Wolfgang Kunzfeld, Ingelfingen
Gesang: Marlis Starrach und Anke Hoffmann
Klavier: Albrecht Beckert
Rezitationen: Axel Berthold, Leipzig - Boris Eggers, Leipzig - Dr. Claus Abt, Hilzingen
Multi-Media: Brigitte Abt-Harrer, Rottenburg am Neckar
Im Anschluss an die Matinee luden die Stadt Ingelfingen und die Ingelfinger Geschichtsfreunde zu Führungen in Ingelfingen ein: "Auf Cäsars Spuren".
Die Heilbronner Stimme schreibt am 31.3.2003:

Stadt erinnert an einen fast vergessenen Dichter
Von Matthias Stolla
Völlig vergessen kann er gar nicht sein, sonst wären kaum über 60 Menschen zur Matinee ins Neue Schloss gekommen. Mit einer Matinee erinnerte Ingelfingen an einen einst berühmten Dichter, der häufig im Kocherstädtchen zu Gast war: Cäsar Flaischlen. Hab Sonne im Herzen, ob's stürmt oder schneit, ob der Himmel voll Wolken, die Erde voll Streit. "Treffend für diese trübe Zeit", nannte Dr. Ulrich Baum Flaischlens wohl berühmtestes Gedicht.
Das Wetter kann er damit nicht gemeint haben. Die Sonne strahlte ganz so frühlingshaft, wie es Flaischlen in vielen seiner Gedichte schwelgerisch beschrieben hat. Den Vierzeiler des 1864 in Stuttgart geborenen Dichters kennen viele. Dass er von Flaischlen stammt, dass der im vergangenen Jahrhundert mehrere Bestseller geschrieben hat und dass er zudem oft in Ingelfingen gelebt hat, ist dagegen längst Vergessenheit geraten. "Der Mann war irgendwann mal sehr berühmt. Mal sehen, ob da was dran ist", sagte Wolfgang Kunzfeld.
Der Vorsitzende der Ingelfinger Geschichtsfreunde hatte die Matinee initiiert und Mitglieder des Freundeskreises Cäsar Flaischlen dafür gewonnen. Axel Berthold rezitierte Gedichte. Zum Beispiel jenes: "Die es angeht lesen's nicht, die es lesen, geht's nichts an, wann immer auch die Wahrheit spricht, sie kommt nicht an den Mann." Und auch der Rezitator dachte dabei weniger ans Wetter als an die große Weltpolitik: "Das sollte sich ein gewisser Präsident zu Herzen nehmen."
Boris Eggers aus Leipzig skizzierte den Lebensweg Flaischlens, der ihn unter anderem von Stuttgart über Ellwangen, Hamburg, Brüssel, Heidelberg und Berlin eben auch nach Ingelfingen führt. Seine ersten Bändchen veröffentlicht er unter dem Pseudonym: C.F. Stuart, was zumindest schwäbische Ohren an Cäsar Flaischlen, Stuttgart erinnern mag. 1903 schreibt er sein berühmtes Gedicht von der Sonne im Herzen. Er reist von Ostpreußen bis in die Schweiz, um Vorträge über Goethe und Schiller zu halten. Seine Bücher erreichen Auflagen bis zu 300 000 Exemplaren. An manchen Tagen erhält er bis zu 500 Briefe. "Er war ein Popstar, der Ruhe brauchte", erklärt Eggers.
Die findet der Dichter immer wieder im damaligen Kurstädtchen Ingelfingen. Mit seiner Frau Dillie mietet er sich im ersten Stock des Ostflügels im Schloss ein. Dort empfängt Cäsar Flaischlen prominenten Besuch, unter anderem auch den bulgarischen König, mit dem er ausgiebig diskutiert. In "unserem lieben Ingelfingen" fühlt sich das Ehepaar wohl, schreibt Dillie Flaischlen an Freunde und Verwandte.
Die Ingelfinger hören's gerne. Auch dass Flaischlen zwei seiner Bücher im Kocherstädtchen fertig stellte: einen weiteren Gedichtband und das Kinderbüchlein Noni-Loni. 1920 stirbt der Dichter an einem zu spät erkannten Lungenabszess in Gundelsheim.
Er und seine Werke verschwinden aus dem Bewusstsein der Öffentlichkeit. "Der Geschmack hat sich geändert", sagt Kunzfeld. Aber nicht völlig. Die von Dr. Claus Abt vorgetragenen Mundart-Gedichte ernten genauso Applaus wie die Lieder, die Marlies Starrach, Anke Hoffmann und Albrecht Beckert zu Gehör bringen.
31.03.2003

Die Print-Version des Artikels in der Heilbronner Stimme können Sie hier aufrufen. |
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Die Bilder der Veranstaltung können in hoher Auflösung hier heruntergeladen werden (ca. 4 MB). Ein Video folgt demnächst. |