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Cäsar Flaischlen

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Infos zur Flaischlen-
Gedenkveranstaltung finden Sie
unter der Rubrik "News"



IngelfingenEhrung Cäsar Flaischlens
durch die
Stadt Ingelfingen

(Flaischlenstraße)





Ein besonderes Buch aus IngelfingenAuszug aus dem Buch
"Das Ingelfinger Schloss - einst Residenz, heute Rathaus"
Die Autoren sind: Rainer Gross, Heinrich Ehrmann, Wolfgang Kunzfeld, Walther-Gerd Fleck.
Ein besonders schönes Buch in aufwendiger und kreativer Bearbeitung über die bunte Geschichte des Ingelfinger Schlosses und der Menschen, die in und um das Schloss gelebt haben. 130 Seiten mit 150 Abbildungen, vielen Fakten, interessanten Daten, Karten- und Originalbildmaterial, auch von Vereinen und aus privaten Händen. Bestellungen des Buchs zu 20 DM / Stück bitte über Rathaus Ingelfingen, Telefon (07940) 130911, Fax (07940) 6716


"... Fast hundert Jahre gingen ins Land, ehe wieder ein berühmter Dichter Ingelfingen für sich entdeckte. Die Rede ist von Dr. Cäsar Flaischlen (1864 – 1920), dem schwäbischen Dichter und Literaten, der sich in der Berliner Literaturszene um 1900 etabliert hatte. Als Rezensent und als Herausgeber der Literaturzeitschrift "Pan" war er bekannt geworden. Berühmt wurde er durch seine Gedichte. Diese trafen so genau die Erwartungen und Bedürfnisse der Leser und Leserinnen, dass sie viele Auflagen erreichten. Flaischlens Botschaft würde man heute als Aufforderung zum positiven Denken verstehen, und diese Botschaft war im Ersten Weltkrieg besonders gefragt. Die sehr populäre Feldausgabe seiner Gedichte gelangte im Tornister der Soldaten an die Front. An der Heimatfront war Flaischlen unermüdlich tätig mit Vorträgen und Lesungen, in denen er Trost und Ermutigung durchaus auch im nationalen Tone vermittelte. Man wird dem Autor nicht gerecht, wenn man ihn als deutsch-national und seine Gedichte als trivial abtut. Flaischlens Werke sind unpolitisch und sprechen von Freud und Leid und dem hohen Wert der Menschlichkeit.
Mehrfach machte er Urlaub in Ingelfingen. 1919 mietete er sogar eine Wohnung im Schloss. Leider starb er schon am 16. Oktober 1920 in Gundelsheim. Seine Frau verfasste einen Nachruf auf ihren Mann, in dem das Kochtertal als abgelegene Landschaft der Stille beschrieben wird:
Als es Sommer wurde, wollten wir – wie schon im Vorjahr – wieder nach unserem lieben Ingelfingen. Cäsar bedurfte der inneren Ruhe. Er hatte im Winter viele anstrengende Vortragsreisen gemacht – es war Zeit, daß er sich Muße gönnte ... Der Zug rollte endlich davon, in die Nacht hinaus, und als der Morgen graute, waren wir schon in Würzburg, und am frühen Nachmittag fuhren wir bei herrlichstem Sonnenschein in einem offenen Wägelchen durchs liebliche Kochertal, Ingelfingen zu.
Im alten hohenlohischen Fürstenschloss hatten wir einige Zimmer inne. Sie waren festlich und sommerfroh geschmückt, das neue Speisegeschirr stand auf dem Tisch, und im Bügelzimmer begann ein Schwalbenpaar zu nisten.
Sonst war alles, wie es immer war.
Der Brunnen im Schlosshofe plätscherte, die Rathausuhr schlug, still zog der Kocher seine Bahn, und die Sonne lachte. Jeder Tag war selig schön, und Cäsars Nerven fingen an sich zu beruhigen. Vormittags badeten wir öfters im Fluss, nachmittags gingen wir auf die Höhe, durch den Wald, er immer mit Gedichtblättern in der Tasche. Oft wanderten wir auch im Mondschein am Kocher entlang, nach Criesbach zu.
... Es gab auch allerlei Abwechslung: Besuch aus Berlin, Dresden, Heidelberg, Ulm. Dann stieg Cäsar mit der großen Zinnkanne in den Keller hinab und holte Wein aus unserem "Fässle" ... Ein freudiges Erlebnis war uns der Nachmittag des 11. Septembers, an dem wir die Ehre hatten, den König von Bulgarien, den wir schon im vorigen Jahre begrüßen durften, bei uns zu sehen ...


Mehr über Cäsars letzten Sommer können Sie im Nachruf ab Seite 15 lesen.
Es ist anzunehmen, dass Flaischlen einige der Gedichte in Ingelfingen verfasste, die in dem Band "Mandolinchen, Leierkastenmann und Kuckuck" enthalten sind. Diese Gedichtesammlung hat seine Frau 1921 herausgegeben.". Noni-Loni wurde im Schloß druckfertig gemacht.







In Ingelfingen gibt es eine Flaischlen-Straße. Wer war Cäsar Flaischlen?

Aus Anlaß des 75. Todestages des bedeutenden Literaten erschien in der Stuttgarter Zeitung nachstehende Glosse. Der Literat verbrachte in Ingelfingen seine beiden letzten Lebensjahre, bevor er in Gundelsheim verstarb. Er wohnte von 1918 bis 1920 im Neuen Schloß.
In Stuttgart wurde übrigens Cäsar Flaischlen doch noch geehrt. Fred Breinersdorfer, der bekannte Krimiautor und Bundestagsabgeordnete, legte einen Kranz am Grabe des Schriftstellers nieder.
(Wolfgang Kunzfeld)


Auszug aus der Stuttgarter Zeitung vom 14. Oktober 1995:
Sonne im Herzen
Ave Cäsar
Unvergessen! So schwören oft Hinterbliebene, wenn ein lieber Mensch das Zeitliche gesegnet hat. Gleich darauf bricht die große Erinnerungsschwäche aus. Unser Gedächtnis hat keine Marathonqualitäten. So ergeht es auch Cäsar. Nein, nicht dem römischen Feldherrn, sondern dem Stuttgarter Schriftsteller mit dem schönen Namen Cäsar Flaischlen. Auch ihm haben sie vor 75 Jahren ewiges Andenken geschworen, nachdem er am 16. Oktober 1920 sechsundfünfzigjährig in einem Sanatorium bei Gundelsheim verblichen war. Und heute? Ja, ja, wir haben die Cäsar-Flaischlen-Straße nahe dem Stuttgarter Herdweg. Aber wer, bitte schön, kennt noch eines seiner Dramen? Wer kann noch eines seiner Gedichte aufsagen? Eben.
Dabei war dieser Cäsar, als Sohn eines Hauptmanns 1864 in der Rotebühlstraße geboren, ein Feldherr des Wortes. Als Schüler des Eberhard-Ludwig-Gymnasiums schmiedete er Verse. Als Lehrling in der Metzlerschen Buchhandlung nahm er, der Seriositiit zuliebe, den Vornamen Otto an und reimte ohne Unterlaß weiter. Und als er nach Studien in Berlin und Leipzig schließlich den Doktortitel errang, hatte er seinen ersten Gedichtband längst heraus gegeben. Er lebte nur, wenn er schrieb.
Weil er - auch so einer - schon damals fürchtete, daß "in Stuttgart mein Lorbeer nie und nimmermehr blüht", emigrierte er 1890 nach Berlin, wurde Literaturredakteuer, schrieb Gedichte, Schauspiele und Aphorismen~ und wurde in den höchsten Tönen gerühmt: als "Beichtvater der gesamten jüngeren Dichtergeneration", als "Revolutionär". Und so weiter und so fort. Bloß in der schwäbischen Literaturgeschichte mäkelte einer herum, man vermisse "die Reife des fertigen Künstlers". Und zu seinem 40. Todestag bescheinigte ihm ein hochmögender Rezensent, Cäsar sei halt ein schwungvoller Stilisierer gewesen, aber "kein großer Dichter".
Wir wollen dieses Urteil nicht anfechten. Wir stellen nur mit banausenhafter Genugtuung fest, daß exakt jene Verse überlebt haben, die dem Poeten Flaischlen einst Hohn und Spott der Literaturkritik eingetragen haben. Er war eben nicht nur ein ehrgeizige Poet, sondern auch ein schwäbischer Romantiker, dem ein wärmender Sonnenstrahl über alles ging. Deshalb veröffentlichte er den Gedichtband "Von Alltag und Sonne", dessen Auflage zweihunderttausend Exemplare überschritt. Ein richtiger Bestseller also.
Und genau in diesem Werk steht das Gedicht, das viele noch kennen, ohne zu wissen, daß es Cäsars Werk war: "Hab Sonne im Herzen, ob's stürmt oder schneit, ob der Himmel voll Wolken, die Erde voll Streit ... hab Sonne im Herzen, dann komme was mag: das leuchtet voll Licht dir den dunkelsten Tag." Klar, für solche Reime gibt es keinen Stammplatz in der Literaturgeschichte. Eher schon im hintersten Winkel mancher. Leserherzen. Wo es gemütlicher ist, mag jeder selbst entscheiden.
Modern, berühmt, en vogue, in, aktuell, geil: nein, das ist er nicht mehr, unser Dichter Cäsar. Aber lesenswert sind seine Stücke noch immer, vor allem, wenn sie auf Stuttgart von anno dazumal anspielen. Und wenn sich jemand, zum Beispiel vom verehrlichen Schriftstellerverband, am Montag die Mühe machte, dem Kollegen zum Todestag ein Ave-Cäsar-Sträußle aufs Grab zu legen (Adresse? Pragfriedhof, vorderer Teil, vor dem Krematorium!), dann hätte dies wenigstens etwas Gutes: Dann wären die damaligen "Unvergessen!" Schwüre ausnahmsweise nicht ganz verlogen gewesen.

Martin Hohnecker