Cäsar Otto Hugo Flaischlen,
(Pseud.: "Cäsar Stuart"),
Schriftsteller, Redakteur
Aus "Cäsar Flaischlen, Heimat und Welt", Egon Fleischel & Co, Berlin, 1920:
"Am 12.5.1864 geboren in Stuttgart als Sohn eines Offiziers, besuchte die Gymnasien in Ellwangen und Stuttgart, widmete sich zunächst dem Buchhandel, ebenda und in Brüssel und Bern, studierte dann in Berlin, Heidelberg, Leipzig, Freiburg, Zürich, promovierte und siedelte 1890 nach Berlin über, wo er 1896 bis 1900 die Kunstzeitschrift "Pan" redigierte.
Seine ersten Gedichte erschienen im Jahr 1884, in dem gleichzeitig von überall her die ersten Weckrufe einer neuen Kunst erklangen.
Aus Besprechungen:
Im "Pan" stand es mit den festen, markigen Schriftzügen von Flaischlens Hand, was ich als Motto vor sein künstlerisches Schaffen setzen möchte:
Dich..dein Leben..zu Kunst klären..mit allem, was Tag und Alltag ein Recht hat, von dir zu fordern..und:
deine Kunst leben können, nicht bloß dichten..da liegt's!
Kunst muß gelebt werden können..sonst ist's Handwerk oder Schwindel!
Ein kühnes Wort.
Ein kühnes Wort, ein hohes mühsames Ziel! "Dein Leben zu Kunst zu klären", eine volle harmonische Entfaltung deiner Kräfte anstreben, nicht in erdentrückter Höhenluft, nein, mit allem, was das tägliche Leben dir abfordert.
Dich, dein Leben zum Kunstwerk formen, ist das erste, deine Kunst leben zu können, das zweite. Nicht bloß Feiertagskost soll sie dir sein, dein täglich Brot soll sie dir werden, dich stark machen soll sie alle Tage mit ihrem Reichtum an Sonne und Freude, an Ernst und Frieden.
Deshalb verzichtet Flaischlen auf jede feiertägliche Drapierung und wählt die Sprache des Alltags. Nicht um die Kunst alltäglich zu machen, sondern um den Alltag durch Kunst zum Festtag zu weihen.
Hier tönt es wie sonniger Kindheitstraum, dort wie ein helles Jugenderwachen mit all seiner unbestimmten Sehnsucht, dann kommt der Kampf mit sich, mit der Welt. Niederlage und Sieg. Alles erlebt, nichts erdacht, echt von Anfang bis zu Ende.
Wie er seine Sätze, seine Gedanken plötzlich unterbricht, wie er mit einem hastigen neuen Einfall packt, dann wieder das alte Thema aufnimmt, um es in wechselnder Tonhöhe zu wiederholen, das erinnert an die fugierten Rhythmen Bachscher Präludien...
(Balt. Monatsschrift, Mai 1904)."
Gestorben ist C.F. am 16.10.1920 im Sanatorium Horneck (frühere Schreibweise: "Hornegg"), Gundelsheim/Neckar, beerdigt wurde er am 20.10.1920 auf dem Stuttgarter Pragfriedhof (das Ehrengrab besteht noch heute). Den Nachruf, gesprochen an seinem Grabe von Stadtpfarrer Geißer, Künzelsau, können Sie hier lesen.
"Deine Kunst sei dir der Weg, mit dem du dich durch deine Zeit suchst und zur Höhe findest, dein Leben sei Deine Kunst.
Wer sich nicht selbst und seinem ganzen Dasein als schaffender und gestaltender Künstler gegenübersteht, verfällt.
Was du nach außen geben kannst, freilich, sind immer Bruchstücke, und wenn dir das Höchste glückt ...
Doch wenn sie echt sind, werden sie in anderen wieder volles Leben reifen."
Cäsar Flaischlen
"Und als ein fliegender Buchhändler eines Tages bei schauerlichem Regenwetter auf der Straße stand und über seine Einnahmen wetterte, trat Cäsar Flaischlen an den Bücherkarren. Er hörte sich das Gewettere ruhig an, dann klopfte er dem Mann auf beide nassen Schultern und sagte:
"Lass das Gewettere, hab Sonne im Herzen,"
so tröstete er ihn und verschwand. Dies war der Anlass zu dem berühmten Sonnengedicht." (A.Döblin, Berlin Alexanderplatz, dtv-Ausgabe, Seite 406)
Dieses sehr schöne Denkmal hat der große Alfred Döblin unserem Cäsar Flaischlen gesetzt. Nicht in einer beiläufigen Notiz hat Döblin Flaischlens gedacht, sondern in seinem epochalen Roman "Berlin Alexanderplatz". An den Gymnasien in Baden-Württemberg ist der Roman derzeit ein Pflichtthema im Leistungskurs Deutsch. Vielleicht wird dadurch auch der Nachruhm Cäsar Flaischlens wieder etwas aufpoliert. (Wolfgang Kunzfeld, Ingelfingen)
Hab Sonne im Herzen,
ob's stürmt oder schneit,
ob der Himmel voll Wolken,
die Erde voll Streit!
Hab Sonne im Herzen,
dann komme, was mag!
das leuchtet voll Licht dir
den dunkelsten Tag!
Hab ein Lied auf den Lippen,
mit fröhlichem Klang
und macht auch des Alltags
Gedränge dich bang!
Hab ein Lied auf den Lippen,
dann komme, was mag!
das hilft dir verwinden
den einsamsten Tag!
Hab ein Wort auch für andre
in Sorg und in Pein
und sag, was dich selber
so frohgemut läßt sein:
Hab ein Lied auf den Lippen,
verlier nie den Mut,
hab Sonne im Herzen,
und alles wird gut!
Die folgende Übersetzung erhielten wir freundlicherweise von Robert Cardinaux:
With sunshine in your heart,
Whether it storm or snow,
Whether clouds fill the heavens,
The world fill with quarrels ...
With sunshine in your heart,
Then come what may:
Light will shine forth
From the darkest of days!
With a song on your lips
And a cheerful tone
If the workaday rush
Should worry you ...
With a song on your lips,
Then come what may:
Help will find its way to you
On the loneliest of days!
With a word for others
In anguish and sorrow,
Say to him what left you
In such good cheer:
With a song on your lips,
Never lose courage,
With sunshine in your heart,
All will be fine!